Versorgung in den Spitälern des Ordens

Am Beispiel des Spitals in Jerusalem, soll hier aufgezeigt werden, wie hoch der medizinische Standard in den Spitälern der Hospitaliter war. In der damals bekannten Welt gab es nichts vergleichbares, allenfalls das „Pentokrator-Hospital“ in Konstantinopel war dem Hospital in Jerusalem anfangs noch überlegen.

Sicherlich nicht von dieser Größe, aber doch ähnlich in der Ausstattung und Versorgung, waren die kleineren Spitäler des Ordens, die vorwiegend an den Pilgerwegen in das heilige Land und nach Santiago de Compostela errichtet wurden.

Das Spital des Ordens in Jerusalem war in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. In elf Stationen unterteilt gab es extra Stationen für Frauen, darunter auch eine Geburtshilfestation. Diese Stationen wurden von den Schwestern des Ordens betreut. Geleitet wurde jede Station von einem Bruder, unterstützt von zwölf bezahlten Gehilfen. Die Gehilfen richteten die Betten, kümmerten sich um die Patienten, in dem sie ihnen Wasser und Handtücher reichten und ihnen beim Essen behilflich waren. Sie mussten des nachts für die Beleuchtung auf den Stationen sorgen, bei Bedarf den Priester rufen und die Leichen in die Konventuralkirche transportieren.

Das Hospital hatte vier Ärzte und vier Chirurgen festangestellt. Morgens und Abends musste jeder Arzt bei den ihm anvertrauten Patienten Visite machen und dabei den Puls fühlen und den Urin kontrollieren. Zwei Pfleger begleiteten den Arzt bei seiner Visite, die ärztliche Anordnungen für die zu verabreichenden Medikamente aufnahmen und dem Arzt den Urin zeigen. Der Orden beschäftigte auch Bader, die sich zweimal die Woche um die Kranken kümmerten.

Zweitausend Betten standen dem Hospital für die Patienten zur Verfügung und sollten diese nicht ausreichen, wurden die Betten der Brüder belegt.

Jeder Kranke erhielt ein Einzelbett und alle vierzehn Tage wurde die Bettwäsche gewechselt. Es standen Mäntel und Filzpantoffeln zur Verfügung, damit sich die Patienten beim Gang zur Toilette, bedecken konnte.

Zwei Küchen waren vorhanden, eine für normale und eine für Diät-Kost. Auf die Ernährung wurde besonderen Wert gelegt. Für die Patienten gab es dreimal die Wochen Fleisch und auch auf gesunde Ernährung wurde geachtet: Weißbrot, Roggenbrot, Maiskuchen, Käse, Fisch, Schweinefleisch, Hammel, Lamm, Hühnerfleisch, Tauben, Rebhühner, Mandeln, Maronen, Zichorie, Gurken, getrocknete Feigen, Trauben, Kürbisse, Zitronen, getrockneter Lattich, Melonen, Petersilie, Pflaumen, Granatäpfel, Rettich und Zuckerrohrsirup galten als angemessene Speisen für die Kranken, wogegen Garnelen, Aale, Bohnen, Linsen und das Fleisch von trächtigen Schweinen vermieden wurden, weil sie als schlecht verdaulich galten.

Sollten Patienten nicht mehr in der Lage sein das Hospital zu erreichen, konnte er von einem mobilen Krankentransportdienst abgeholt werden.



zusammengefaßt von Helge von Auetal